Sascha's geiler Bildhost
06
Februar
2011

Blog am Sonntag #1

Part I

Der Tag war grau und regnerisch. Ich stand an einer Bushaltestelle und wartete, wie so oft auf den Bus. Der mal wieder zu spät war. Aber es machte mir nichts. Wer schon eine Ewigkeit auf Normalität wartet, dem kommt es auf ein paar Minuten nicht an.
Ich kramte in den Taschen meines Mantels nach der Schachtel Zigaretten.
„Hey du!“, sagte jemand neben mir und zog an meinem Mantel.
Ich runzelte die Stirn und sah nach unten um den Grund der Störung zu ergründen.
„Was willst du?“, fragte ich und fand meine Zigaretten. Die Suche nach einem Feuerzeug begann.
„Ich muss mit dem Zug fahren, der am Bahnhof hält. Welche ist das bitte?“, fragte der Jemand.
Der Jemand war ein Kind. Ein Mädchen mit blonden Haaren, Locken, grüne Augen.
Ich dachte kurz nach. „Du kannst mit dem nächsten fahren, der hält dort“, sagte ich schließlich und zündete mir mit dem gefundenen Feuerzeug die Zigarette an.
„Rauchen ist ungesund“, quäkte das Mädchen
„Tangiert mich nicht“, murmelte ich und zog meinen Schal etwas fester um den Hals. Es war kalt und der Regen machte es nicht besser.
„Was?“, fragte die Kleine. Sie konnte nicht älter als acht sein.
„Es interessiert mich nicht“, wiederholte ich und rollte mit den Augen.
Die Kleine schien verblüfft zu sein, über die Abfuhr und schien einen Moment darüber nachzudenken.
„Sollte es aber“, sagte sie mit Nachdruck. Ich seufzte schwer und schüttelte den Kopf. Ich versuchte gekonnt zu schweigen und all meine Ignoranz aufzufahren. Ich bin nicht sehr gesellig, das liegt in meiner Natur. Auch die zwei Jahrtausende Mensch-Sein haben daran nicht das geringste geändert.
Nach dem ich zu ende geraucht hatte, kam der Bus und ich flüchtete mich in die letzte Reihe, doch das Mädchen folgte mir.
„Ich heiße Janine!“, sagte sie und ruckte sich zurecht, „Ich bin acht“ Sie strahlte. Vermutlich war sie noch nicht lange acht.
„Schön“, murrte ich.
„Und wie heißt du?“
„Tod“, sagte ich trocken und sah aus dem Fenster.
Sie lachte. „Du bist ja witzig“, gluckste sie, „Niemand heißt Tot. Also wie heißt du?“
Ich stand vor einem Problem. Aber wem auch nach zweitausend Jahren kein Ersatzname einfällt, dem wird er auch nicht in einem Bus einfallen. Was erwartetet ihr auch? Ich bin der Tod, Namen sind für mich nur Schall und Rauch.
„Erwischt. Das ist nur mein Spitzname und das reicht auch“
Sie runzelte die Stirn und sagte nichts weiter dazu. Fünf herrliche Minuten schwieg sie.
„Wohin willst du eigentlich?“
Ich kniff die Augen zusammen. Von all den Gefühlen, die ihr Menschen habt ist Genervtheit das unangenehmste.
„Nach Hause“, sagte ich und sah sie an, „Hättest du die Güte mir nicht länger auf den Geist zu gehen?“
Im Allgemeinen würde man mein Verhalten als unfreundlich und unsozial bezeichnen, aber auch das gehört zu meinem Wesen. Und ich habe erkannt, dass das auch gut so ist. Wenn ich etwas gelernt habe, dann das der Tod keine Gefühle haben sollte.
Als mich das Gericht des Schicksals damals zu Menschen-Dasein auf unbestimmte Zeit verurteilte, hätte ich nicht gedacht, dass Zeit so lang werden kann. Und das Menschen dermaßen aufdringlich sein können. Geht euch das nicht manchmal selber auf den menschlichen Geist?
Es gab nur wenige Menschen, die mir wirklich etwas bedeutet haben damals. Die Kleine gehörte nicht dazu, aber sie hat mich etwas Wichtiges gelehrt: Neugier.
Der Bus hielt schlitternd an der Haltestelle „Bahnhof“.
„Du musst hier raus“, sagte ich der kleinen Janine und zuckte mit dem Kopf Richtung Haltestelle.
„Oh“, machte sie und blickte sich um, „Na gut, dann auf Wiedersehen, Frau Tod“ Janine verbeugte sich und rannte aus dem Bus, bevor er wieder losfuhr.
„Hoffentlich nicht so bald“, murmelte ich, während ich ihr hinterher sah.
Wie ich eingangs erwähnte bin ich der Tod. Aus der Logik heraus habe ich eine Aura, die Unfälle, Mörder und allerlei anderes Gesocks anzieht. Manchmal werden die Leute in meiner Umgebung auch plötzlich sehr krank. So krank, dass ich ihnen Besuch abstatten muss. Glaubt mir es ist nicht immer einfach ihnen gegenüberzustehen und ihnen zu erklären, dass es nun vorbei ist. Nicht alle haben dafür Verständnis und sehr viele wollen nicht einsehen, dass nicht ich es bin, der ihnen Leid zugefügt hat. Ich bin letztlich nur der Bote. Und der Bote ist es der dafür geköpft wird.
In dieser Nacht jedoch war es etwas anders. Als ich endlich an dem Ort war, den ich seit ein paar Wochen mein Zu Hause nennen durfte, beschlich mich das Gefühl von nahender Arbeit. Ich versuchte es für ein paar Stunden zu verscheuchen, so wie jeder andere Arbeit aufschiebt oder sich nicht sofort ergebt um zu Arbeit zu erscheinen. Das kennt ihr sicherlich.
Gegen Mitternacht jedoch ging es nicht anders. Ich sah mich an einer beleuchteten Straßenecke. Ich war nicht körperlich da, aber ich war da. Ich sah einen Krankenwagen und gut drei Sanitäter, die um einen kleinen Menschen herum hockten und Unmögliches versuchten. Wenn ich vor Ort bin ist es schwer zu überleben. Ich ahnte schon wer da auf dem Asphalt liegen mochte in der eigenen Blutlache. Trotzdem ging ich noch etwas näher ran. Es war Janine. Sie sah mich an. Aber das sah nur ich, sonst niemand. Ich winkte ihr sachte zu.
„Du bist wirklich der Tod“, flüsterte sie und ich nickte zur Bestätigung. Sie stand auf, aber auch das nahm nur ich wahr. Für Dinge, die auf dieser Ebene des Raums passieren, seid ihr Menschen blind.
„Warum muss ich sterben?“, sie sah mich mit großen Augen an, doch in ihren Augen lag kein Vorwurf und ihrer Stimme keine Wut.
Ich sah mich um. „Nun ich denke, weil ein anderer zu schnell gefahren ist. Vielleicht hatte er sogar Alkohol im Blut“, mutmaßte ich. Ihr müsst wissen, dass ich die Leute nur hole. In vielen Fällen weiß ich nicht woran sie gestorben sind, es sei den ich war zufällig dabei.
Janine runzelte die Stirn, als wolle ihr die Antwort nicht so recht gefallen. Dann schien ihr ein anderer Gedanke zu kommen: „Komme ich jetzt zu Mama in den Himmel?“, fragte sie und ihre Augen leuchteten kurz. Ich zuckte kurz mit den Schultern.
„Ich weiß nicht, dafür bin ich nicht zuständig“, sagte ich. Kurz darauf lächelte ich jedoch, „Ich denke aber, dass sie jemanden wie dich gut gebrauchen können“
In Wahrheit hatte ich überhaupt keine Ahnung, ob das stimmte, aber mir war als wollte Janine so etwas in der Art hören.
Sie nickte wie jemand, der nach einer langen Debatte endlich recht bekam und wandte sich zum Gehen um: „Aber das Rauchen solltest du trotzdem aufgeben“, sagte sie, „Auch wenn du nicht dran stirbst. Das stinkt nämlich!“ Verblüfft blieb ich noch eine Weile dort, nachdem sie verschwunden war. Nach so langer Zeit hatte mir ein Kind tatsächlich gesagt das Rauchen stinkt. Solch simple Statements kommen mir verdammt selten unter. Auch der Tod lernt nie aus.
Rauchen stinkt.

Gelassen habe ich es deswegen nicht.


~Fortsetzung folgt ~



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